ARD-DeutschlandTREND

Was ist eigentlich der ARD-DeutschlandTREND?

Zahlen sind verwirrend, Statistik versteht kein Mensch – das dachte ich auch mal. Nun erkläre ich euch die Studie hinter dem DeutschlandTREND damit ihr wisst wer wie welche Daten erfasst und wer überhaupt teilgenommen hat. Die Ergebnisse der Studie spielen dabei in diesem Blogeintrag keinerlei Rolle.

Der ARD-DeutschlandTREND ist eine Umfrage und wird seit 1997 monatlich für ARD durchgeführt. An dieser Stelle entführe ich euch auf einen kleinen Exkurs in die empirische Soziologie: Grundsätzlich gibt es nur zwei Arten der empirischen Studien: Querschnittstudien und Längsschnittstudien. Die beiden unterscheiden sich nur darin wie oft die Erhebung der Daten (z.B. eine Umfrage) durchgeführt wird.

Empirische Studie in a nutshell:

Bei einer Querschnittstudie werden während einer fest gelegten Zeitspanne (z.B. 01.- 02.02.2016) ein Mal die Daten erhoben. So wird den Studienteilnehmer zum Beispiel die Frage gestellt: „Wenn am nächsten Sonntag tatsächlich Bundestagswahl wäre, welche der folgenden Parteien würden Sie dann wählen?“. Zu beachten ist in diesem Fall nur, dass die Studienteilnehmer repräsentativ auserwählt werden, d.h. die Studienteilnehmer wurden rein zufällig ausgewählt und sind auch tatsächlich wahlberechtig: sie sind volljährig, seit mindestens drei Monaten in Deutschland.

Eine Längsschnittstudie ist dagegen eine Umfrage, welche mehrere Male durchgeführt wird. Wenn wir also die gleiche Frage in regelmäßigen Abständen einer zufällig ausgewählter Gruppe von Probanden wieder stellen, lassen sich daraus Trends ablesen. Welch Wunder, dass das entsprechende Studiendesign „Trendstudie“ heißt und das Vorgehen dem einen oder dem anderen von euch als „Sonntagsfrage“ bereits bekannt sein dürfte. Die Studienteilnehmer für eine wiederholte Erhebung werden wieder rein zufällig aus all den Wahlberechtigten in Deutschland auserwählt. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass man die ein und die selber Person mehrmals befragt – doch selbst dies wäre kein Problem für die Repräsentation der Studie solang die Auswahl tatsächlich zufällig erfolgte.

ARD-DeutschlandTREND vom Februar 2016:

Nun schauen wir uns das Forschungsdesign des DeutschlandTRENDs am Beispiel der Erhebung vom Februar 2016 genauer an. Die Umfrage wurde am 01. und 02. Februar 2016 durchgeführt; Es wurden insgesamt 1 004 Teilnehmer befragt. Die Teilnehmer wurden telefonisch kontaktiert, das Verfahren nennt sich auch „Computergestützte Telefoninterviews“ oder kurz: CATI (Computer Assisted Telephone Interview). Dabei werden die Fragen der Studie und deren Reihenfolge von dem PC vorgegeben und der Interviewer trägt lediglich die Antworten ein, die er am Telefon erhält. Da aber nicht jede Nummer in dem Telefonbuch gelistet ist, wird die so genannte Zufallstelefonbefragung angewandt: RDD (Random Digit Dialing). Dabei werden dem Computer die ersten Ziffern vorgegeben (Landeswahl, Ortswahl, etc.), den Rest fügt er nach dem Zufallsprinzip selbst hinzu. Man macht sich außerdem Gedanken darüber wer an anderem Ende ans Telefon geht – dies ist in vielen Fällen gar nicht zufällig, es geht meist das „Haupt der Familie“ ran. Um dem entgegen zu wirken besteht ebenfalls die Möglichkeit zu bitten, dass z.B. der/diejenige den Hörer übernimmt, der/die als letzter Geburtstag hatte. Das Institut infratest-dimap, welches die Studie des DeutschlandTRENDS  durchführt, schreibt dazu:

Um systematische Verzerrungen der Untersuchungsergebisse auszuschließen, akzeptieren wir bei Festnetzstichproben nicht gleich die sich meldende Person als Gesprächspartner, sondern fragen nach der Person, die der Computer per Zufallsprinzip ausgewählt hat. […] häufig ist der von uns gewünschte Gesprächspartner beim ersten Anruf nicht zu Hause, so dass wir einen Termin vereinbaren und noch einmal anrufen müssen.

Hinzu kommt ebenfalls, dass rund 10% deutscher Haushälte nur über ein Handy aber kein Festnetztelefon verfügen. Man geht ebenfalls davon aus, dass man die 20- bis 29-jährigen eher über das Mobiltelefon als ein Festnetztelefon erreicht. Um eine repräsentative Stichprobe der ganzen wahlberechtigten Bevölkerung zu erzielen, haben bei dem DeutschlandTREND 70% aller Anrufe ein Festnetztelefon gesucht und 30% klingelten auf dem Handy.

Das wars schon zu der geheimen Welt der Statistik. Ich hoffe der Ausflug war für euch nicht nur befremdlich sondern auch ein bisschen spannend und ihr habt ein aussagekräftigeres Bild darüber wie solche Umfragen überhaupt gemacht werden. Natürlich ist das ganze nur die Spitze des Eisberg – die Daten werden auf alle möglichen und unmöglichen Art und Weisen kontrolliert und ausgewertet. Für den ersten Überblick ist dies aber nur wenig relevant.