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LifeProof Case – Erfahrung nach zwei Jahren.

In das Smartphone-Universum bin ich vergleichsweise recht spät eingestiegen. Erst als alle meine Freunde ihre Geräte mindestens zum dritten Mal upgrateten, legte ich mir ein iPhone 4S zu. Doch, da ich durch den Freundeskreis mit den lästigen Problemen bereits vertraut bin – zerkratzte Oberflächen, zersprungenes Glas (sowohl vorne als auch hinten), traute ich mich mein neugekauftes Baby erst Mal gar nicht aus der Verpackung zu nehmen. Die erste Zeit war ein einfaches Case aus Kunststoff von Belkin der Beschützer meines Handys, doch dann fingen die Handys um mich herum an einem Wasserschaden zu scheitert. Einer ließ es in die Pfütze fallen, ein anderer ins Klo, dritter warf gar ein Bierkelch in der Bar um. Da stand es für mich fest – ich brauche eine Schutzhülle, welche mich auch vor diesem Übel beschützt. Meine Recherche führte mich zu richtig guten stoßdämpfenden Cases (z.B. Lunatic), doch die meisten wasserdichten Lösungen hielten nur solange bis man genötigt wird das Handy zu laden. Die Lösung für mich war das so genannte LifeProof Case. Diesen werde ich euch im Laufe dieses Review vorstellen und auf die Stärken und Schwächen hinweisen. Aber erst mal zu dem Case an sich.

LifeProof Case

LifeProof ist nicht nur ein Bumper, LifeProof umfasst das Smartphone von allen Seiten und bietet somit einen extra Displayschutz an. Diese zusätzliche Folie ist ziemlich dick, beeinträchtigt die Reaktion des Bildschirm aber in keiner Weise. Ich verwende mein iPhone 4S mit dem LifeProof Case und mein iPad 3 mit einer einfachen Schutzfolie und spüre keinen Unterschied in der Benutzung. Einzig könnte sich jemand höchstens an dem Material stören – dieser ist nicht so „rutschig“ wie das nackte Display Glas.

Das LifeProof Case besteht aus einem Bumper aus Polycarbonat, Rücken aus Kunststoff, wasserdichten Öffnungen für Mikrofon und Lautsprecher, den oben erwähnten Wasserdichten Displayschutz und entspiegelte Optikglaslinse für die Kamera und den Blitz. Was den Schutz angeht, so hält sich LifeProof an den Militärstandart:

MIL STD 810F-516
Diese Norm beschäftigt sich mit der Verträglichkeit der elektronischen Geräten mit extremen Bedingungen – Feuchtigkeit, Chemikalien, große Höhen. Spannend ist dennoch, dass die Norm dem Hersteller nicht vorschreibt wie die Tests durchgeführt werden mussen, auch nicht dass das Testobjekt diese bestehen muss. Die Herstellerangabe „nach MIL-STD-810 zertifiziert“ ist also nicht besonders aussagekräftig.
Quelle: http://www.atec.army.mil/publications/Mil-Std-810G/Mil-Std-810G.pdf

IP-68
International Protection Codes definieren den Schutzgrad des Gehäuses gegen äußere Einwirkung – Brührung, Fremdkörper, Wasser, etc. Kurz: Schutz gegen Berühung und Eindringen von Wasser und Schmutz. Die erste Kennziffer, in unserem Fall die „6“ bedeutet, dass das Gehäuse staubdicht ist und vollständig vor Berührung geschützt ist. Das zweite Kennziffer, in unserem Fall die „8“, verspticht den Schutz gegen dauerndes Untertauchen. LifeProof selber nennt dazu folgende Zahlen: Das Gehäuse kann das Handy 8 Stunden lang vor dem Eindringen des Talkumpuder bewahren und 30 Minuten lang zwei Meter unterm Wasser schützen.
Quelle:http://www.lifeproof.com/de/why-lifeproof/?path=TopNav

Das LifeProof Case gibt es in schwarz, weiß oder bunt (vor allem die neuere Modelle bieten farbliche Auswahl). Ganz unabhängig davon welcher Farbe das eigene iPhone ist, nach dem Umkleiden mit LifeProof erkennt man das eigene Gerät kaum wieder. Ich persönlich habe ein schwarzes Smartphone und dazu ein schwarzes Lifeproof Case. Ja, ihr dürft mich langweilig nennen.

Nutzerverhalten

Mit den tollen LifeProof Stories kann mein Nutzerverhalten nicht mithalten. Im Grunde genommen hat mein Handy keine Abenteuer ohne mich erlebt. Weder habe ich diesen auf dem hohen See verloren, noch ließ ich es aus atemraubenden Höhen fallen. Ich nutze es einfach, wie jeder medienaffine junge Mensch auch – ich simse, twittere, stecke es in meine Hosentasche, hole es wieder raus – und dies dutzende Male pro Stunde. Die Euphorie erlebt mein Handy höchstens wenn es drauf regnet, oder mich jemand anrempelt während ich (mal wieder) im Laufen twittere. Zugegeben, das gute Stück ist mir mehrmals vom Tisch oder Bett gefallen – dank LifeProof ohne katastrophalen Folgen.

Das LifeProof Case nach ~ 2 Jahren.

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Das Gehäuse verrichtet unverzichtbaren Arbeit – mein Smartphone funktionier immer noch tadellos und hat keinen einzigen Kratzer. Doch kann es sich leider nicht nicht selber schützen. Trotz des ziemlichen gewöhnlichen Nutzungsverhaltens, nutzt sich das Gehäuse wie ein Radiergummi ab – in die Hosentasche rein, aus der Hosentasche raus – damit gehöre ich zu den 16,42% der Frauen, die ihr Handy in der Hosenrasche tragen (,dies tun 61.06% der Männer, während 60,10% der Frauen ihr Hansy in die Handtasche schmeißen).
Quelle: http://research.nokia.com/sites/default/files/45590483.pdf

Die Wasserdichtigkeit gab in kürzerster Zeit nach. Die Sollbruchstelle scheint hier die Membran bei der Lautsprecher/Mikrofon-Öffnung zu sein. Zum einen zieht es sofort jeglichen Fussel aus meiner Hosentasche an und wenige Monate nach dem Kauf verabschiede sich die Membran, welche die Öffnung für Wasser schützen sollte. Damit hat sich jegliches Baden mit dem Handy erledigt. Wenn jemand Bier umkippt, ist mein Handy immer noch geschützt – ich müsste nur aufpassen es in keine Wasserbehälter vollständig zu tauchen. Dies gelingt mir bis heute. Trotz des hochwertigen Materials weist der Displayschutz ordentliche Kratzer auf – diese sind jedoch nur unter bestimmten Lichteinfall zu sehen und im Alltag nicht störend. Doch es ist nicht im Vergleich dazu, dass sich der Bumper aus Polycarbonat mittlerweile sich selber auflöst. Mittlerweile rissen alle Teile des Bumpers ab, welche den Displayschutz umhüllen sollen. An manchen Stellen riss es so weit ab, dass der Übergang vom Displayschutz zum Gehäuse freigelegt wurde und sich ein Spalt öffnet – einen Schraubendreher kann man dazwischen zwar nicht einklemmen, vom Staubschutz ist mittlerweile aber keine Rede. Ein- und Auschalteknopf sieht aus, als ob ich da andauern mit Nägeln drauf drückte, was nicht der Wahrheit entspricht und der Stummschalteknopf sieht gar abgebissen aus obwohl ich diesen höchstens 20 Mal in den 2 Jahren benutzt habe – mein Handy ist immer lautlos. Unterhalb und oberhalt der Lautstärke Tasten gibt es zwei „Schutzwölbungen“, welche die Tasten vor ungewolltem Betätigen schützen sollen. Die untere Wölbung ist mittlerweile so abgenutzt, dass unter dem Polycarbonat bereits das harte Kunststoff zum Vorschein kommt. Als ob das noch nicht genug wäre – seit mehreren Monaten werde ich den Ölfleck mitten auf dem Bildschirm nicht los. Eines Tages war es einfach nur da. Eine Putzaktion vor wenigen Wochen brauch kein Ergebnis. Obwohl ich das Glas und den Displayschutz bis zum Glanz mit den Brillenputztüchern poliert habe, was das Fleck nach wenigen Tagen an der gleichen Stelle.

Ganz faszinierend finde ich das kleine Ölfleck mitten aufm Bildschirm. Eines Tages war es einfach nur da. Als ich vor wenigen Tage mein iPhone für das Kartenwechsel von dem Case befreite, hatte ich sowohl das LifeProof Case (Anleitung?) als auch mein Handy sauber glänzend gewischt (Brillentaschentücher)., hatte ich wenige Tage Ruhe, dann fand das Ölfleckchen wieder ihren Weg irgendwohin zwischen dem Case und dem iPhone Glas.

Fazit

LifeProof funktioniert! Und entspricht dem Rhythmus, in dem man das eigene Handy upgrated. Es werden immer mehr Handy gekauft und ich gehe pi*Daumen davon aus, dass nur wenigsten heutzutage das eigene Handy länger als zwei Jahre benutzen – die aktuellen Konditionen bei Verträgen sind viel zu verlockend. Dafür ist LifeProof unersetztbar und erspart vielen von uns „sinnlose“ Reparaturkosten – wie zum Beispiel den Glasschaden, was immer noch 52% aller Handschaden ausmacht (Stand: 2013, Quelle: https://handyreparatur123.de/infografik-ueber-kaputte-smartphones/)
Wenn man nicht unbedingt es vor hat das Handy bewusst zu zerstören, dann kann man sich sicher sein, dass LifeProof seine Versprechen kennt und man kann sich viel Kummer ersparen wenn ein Freund sich auf das brandneue Handy setzt oder der Nachbar rempelt einen an und man lässt das Handy fallen. „Sinnlose“ Reparaturkosten (z.B. Glas) bleiben einem mit LifeProof erspart.

Andererseits – wie kan ein solches Allround-Case von einer Hosentasche auseinander gerissen werden? Und das für diesen Preis (~$80)! Außerdem stand eine der erworbenen Funktionen (Wasserdichtigkeit) schon nach kurzerster Zeit nicht mehr zu verfügung.

Wie viel das eigene Handy einem wert ist, muss letztensendlich jeder selber entscheiden. Die Puristen lehnen jegliche Hülle oder Case ab, denn sie ihr Handy als reines Gebrauchsgegenstand ansehen. Ich nicht. Wenn ich heute mein Handy los werde, dann werde ich mir morgen einfach kein Neues leisen können, deswegen passe ich auf mein Baby auf. Wenn sich aber meine Hülle die nächsten Tage ganz verabschiedet, dann werde ich vorraussichtlich nicht wieder zu LifeProof greifen. Da sich mein Alltag als wesentlich langweilig heraus stellte und ich doch nicht jedes Wochenende im Schlamm mountenbike, und der Schutz vor Wasser sich letzendlich nur auf den umgekippten Weinkelch bezieht, wäre für mich vielleicht ein gutes stoßsicheres Case die bessere Lösung. Alles ist natürlich auch eine Sache des Preises. Im Jahre 2013 hat Otterbox LifeProof gekauft.

Beispielrechnung für mein iPhone 4S:
LifeProof $80 > Lunatik Taktik eXtreme $99,95 vs. Otterbox Defender Series $14,97

Beispielrechnung für ein iPhone 5/5s:
LifeProof nüüd $89,99 vs. Lunatik Taktik eXtreme $124,95 (unterstützt Touch ID nicht) vs. Lunatik Taktik Strike $59,95 vs. OtterBox Preserver Series $89,95 (Wassersicht) vs. OtterBox Defender Series $59,90

Hier sind die Eigenschaften und der Preis von LifeProof nüüd und OtterBox Preserver Series nahezu identisch – übrigens nicht nur für ein iPhone 5/5s, sondern auch für das Samsung S5. Wie robust die Cases von Otterbox sind, will ich an dieser Stelle nicht anschneiden, denn ich hatte noch keines davon.

Wenn es in eurem Alltag dreckig zu geht, dann vertraut auf LifeProof. Vergisst aber nicht, dass je wilder es zu geht, desto früher werdet ihr das Gehäuse erneuern müssen.

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