Stuttgarter Zeitung bietet Entscheidungshilfe für die kommende Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Landtagswahl in Baden-Württemberg – ein Überblick.

Politik ist langweilig, Parteiprogramme lang, die Lust und Zeit sich damit auseinander zu setzen hält sich in Grenzen und die Landtagswahl drückt schon wieder auf die Pelle? Nicht wählen zu gehen ist keine Option. Jetzt jedenfalls nicht mehr – denn ich habe die Parteiprogramme für Baden-Württemberg im Hinblick auf bestimmte Aspekte genauer angeschaut und übersichtlich zusammen gefasst. Es gibt sogar eine Infografik! Also wirklich, wer jetzt noch eine Ausrede findet, der soll sich ganz arg schämen.

Eines vorweg: in diesem Blog versuche ich zwar möglichst neutral Stellung zu nehmen, aber ich nehme eine Stellung und vertrete gewisse Werte. Ich toleriere kein Rassismus und bin dementsprechend offen gegen jegliche rechte Parteien (ja, AfD inkl.). Mit dem AfD Wahlprogramm hat sich Kattascha fleißig auseinander gesetzt und erstaunliche Dinge entdeckt – lest unbedingt dazu ihren Blogartikel: Mut zur Wahrheit: Faktencheck AfD in Bildern!

Außerdem setze ich mich ebenfalls mit Elan für die LGBT-Rechte ein. Wenn ihr ein Problem damit habt, dann bitte ich euch jetzt diese Seite zu schließen. Danke.

um was geht es eigentlich?

Am 13ten März wird in Baden-Württemberg das neue Parlament gewählt – alle Fakten zu dieser Landtagswahl findet ihr bei Interesse auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung. Kein Interesse? Auch gut, dann direkt zur Sache!

Ich habe bereits mehrere Wahl-O-Mate oder sonstige Entscheidungshilfe zur diesjährigen Wahl ausprobiert und bin von jeder enttäuscht worden. Meistens wurden mir die vorgestellten Thesen gar zu flach angeschnitten und somit unklar – über so eine „Wahlhilfe“ der Stuttgarter Zeitung habe ich mich bereits aufgeregt: Landtagswahl in Baden-Württemberg? Wahlcheck verwirrt. Übrigens die Übersicht der Parteien und ihre Kurz-Profile findet ihr auch auf der Seite de Bundeszentrale für politische Bildung. Ich beschäftige mich in meiner Übersicht nur auf die Parteien, welche nach der Sonntagsfrage für die Landtagswahl in Baden-Württemberg die 5%-Hürde höchstwahrscheinlich erreichen würden: GRÜNE, CDU, SPD, AfD, FDP und die LINKE. Wie so eine Sonntagsfrage überhaupt funktioniert habe ich bereits am Beispiel des ARD-DeutschlandTREND erklärt: Was ist eigentlich der ARD-DeutschlandTREND?

Jetzt geht es um die Wurst!

Doch auch das ist jetzt völlig egal. Ich habe die Wahlprogramme aus Baden-Württemberg durchgelesen, diese auf die (subjektiv auserwählte) Hauptthesen reduziert und einfach in einer Infografik zusammen gefasst – alle Erklärungen zum Inhalt kommen später:

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Liebe Politiker, wenn ihr wollt, dass mehr Menschen sowas lesen und euch auch wählen, dann bleibt bitte sachlich bei der Sache statt sich selbst auf mehr als 100 Seiten in den Himmel zu loben. Danke.

Die Themen

In der Tabelle könnt ihr nachschauen welche Partei nun für jeweilige These oder dagegen ist. Der letzte Punkt „netzpolitik.org-Wertung“ bezieht sich dabei auf den Netzausbau, die Netzneutralität und den Datenschutz. netzpolitik.org hat dazu bereits eine sehr schöne und übersichtliche Analyse (mit Infografik!) veröffentlicht – eine Leseempfehlung zum Thema NetzpolitikBaden-Württemberg: Netzpolitischer Check der Wahlprogramme zur Landtagswahl 2016.

Auch zur Cannabis-Frage leite ich euch gerne an den „deutschen Hanfverband“ weiter, welcher sich mit dem Thema kompetenter auseinandersetzten konnte als ich: Wahlanalyse Landtagswahl in Baden-Württemberg 2016.

Eine ausführliche Stellungsnahme der Parteien zu den ersehnten LGBT-Rechten hat der LSVD Baden-Württemberg e.V. veröffentlicht. Dabei wurden den Parteien so genannte „Wahlprüfsteine“ zugeschickt, welche schriftlich beantwortet wurden. Die vollständige Antworten der Parteien findet man unter der schicken Infografik zur LGBT-Akzeptanz der einzelnen Wahlprogrammen. Unbedingt anschauen: Auswertung der Wahlprüfsteine 2016.

Ein Thema, welches bei den meisten in die Vergessenheit geraten ist, außer man verirrt sich am Montag Abend am Stuttgarter Hauptbahnhof – der Weiterbau von Stuttgart 21. Seit der Volksabstimmung mussten auch die GRÜNEN sich zähneknirschend an dem Bau beteiligen und so kämpft nur noch die LINKE für den „sofortigen Ausstieg“ während die AfD wohl keine Meinung hierzu hat.

Alle außer der FDP sind sich auch einig, dass man kein Fracking in Baden-Württemberg betreiben will. Wobei die FDP bei so einigen Fragen unschlüssig ist oder einfach keine Meinung dazu hat.

So auch bei dem Streit um die Gemeinschaftsschulen im Bundesland. Die Schulreform war das Ergebnis der grün-roten Politik: eine Schule für alle, wo jeder Schüler ganz nach den eigenen Bedürfnissen gefördert wird und welche ganz ganz ganz viel Geld gekostet hat. Nun kommt es in einer Studie raus, dass die Gemeinschaftsschule weder schlechter noch besser als das herkömmliche Schulmodell sei – es kommt in der erster Linie auf die Qualität der Lehrer. Die Opposition, CDU, sieht dies als „gescheitert“ an; der gleichen Meinung ist ebenfalls die AfD.  Die SPD drückt die Ausbau der Gemeinschaftsschulen vorsichtig „nach Bedarf“ aus während die FDP gleiche Finanzierung für alle Schulsysteme fordert und die Bevorzugung der Gemeinschaftsschulen kritisiert. Die GRÜNE und die LINKE halten fest an dem System und wollen die Gemeinschaftsschulen noch stärken ausbauen.

Ähnlich kontrovers sieht es mit der, von der SPD und den GRÜNEN durchgeführten, Reform der Polizei. An dieser halten die beiden Parteien trotz des starken Gegenwinds der restlichen Parteien, welche die Polizeimitarbeiter lieber aufstocken würden fest. Um s.g. „Body Cams“ bittet die Polizei schon länger. Kameras auf der Weste, welche hauptsächlich die Gewalt gegen die Polizei filmen sollte. Das primäre Ziel ist dabei die gewaltbereite Person abzuschrecken. Die Polizei selbst gibt an, dass ein solcher Einsatz durchaus deeskalierend wirkt, das ganze ist aber rechtlich schwierig. Zu der anonymen Kennzeichnungspflicht hat netzpolitik.org in dem oben verlinkten Artikel bereits alles wichtige erwähnt.

Eine Gesundheitskarte für Flüchtlinge soll einfach einen einfacheren Zugang zur medizinischen Untersuchung ermöglichen. Ohne einer solchen Gesundheitskarte muss jeder Flüchtling zuerst zum Amt gehen um dann eine Erlaubnis zu bekommen sich an einen Facharzt wenden zu dürfen. Das ist eine Verschwendung von Zeit, Geld und Personal. Die Gegner der Gesundheitskarte fürchten andererseits, dass dadurch Deutschland als Asyl-Land noch attraktiver wird, als es eh bereits ist.

Nicht wählen ist auch keine Lösung!

Ihr habt es bis hierher geschafft? Bravo! Jetzt wisst ihr alles was ihr für die Wahl morgen braucht. Ihr müsst euch nur entscheiden. Bitte denkt dran – Es gibt gewisse Gruppierungen, welche momentan Hass, Rassismus und sonstiges im Land verbreiten und dafür sich nicht zu schade sind auf die Straße zu gehen. In diesem Fall ist die Hürde auch nicht mehr so groß den Allerwertesten hoch zu bekommen und wählen zu gehen. Wenn du nicht wählen gehst, werden sie „gewinnen“. Wenn du also auf den einen Tag gewartet hast, an dem du mit deiner Stimme die politische Zukunft Deutschlands verändern kannst – es ist der 13.03.2016.

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Landtagswahl in Baden-Württemberg? Wahlcheck verwirrt.

Deutsche sind zu faul zum Wählen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, aber alle gleich inhaltlos. In meinem Umfeld höre ich öfters: „Aber ich bin doch zufrieden.“, „Aber es ändert sich doch eh nichts“, „Aber ich habe keine Zeit mich zu informieren“ oder auch „Ich weiß nicht wen ich wählen soll.“ Zumindest die letzte Ausrede zieht nicht mehr – die Stuttgarter Zeitung hat ihr Wahlcheck vorgestellt:

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg treten 22 Parteien in den 70 Wahlkreisen an. Sie haben sich noch nicht entschieden, bei wem Sie Ihr Kreuz setzen? Dann testen Sie mit unserem Wahlcheck, wer am besten zu Ihnen passt.

Klingt doch toll, nicht wahr? Ich interessiere mich für die Politik und weiß auch grob welcher Partei ich mein Vertrauen schenke, doch auf die Thesen des Wahlchecks war ich nicht vorbereitet.

Stuttgarter Zeitung bietet Entscheidungshilfe für die kommende Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Wahlcheck hilft! Oder auch nicht…

  1. Baden-Württemberg hat genug Flüchtlinge aufgenommen.Weiß ich nicht? Wie viele Flüchtlinge hat denn Baden-Württemberg aufgenommen? Wie viele Flüchtlinge haben andere Bundesländer aufgenommen? Wie viele können wir denn sonst aufnehmen? Wie viel sollen wir noch aufnehmen? Was ist mit den Notunterkünften, die in letzten Jahren abgebaut wurden?
  2. Flüchtlinge sollen eine Gesundheitskarte bekommen, damit die ärztliche Versorgung unbürokratisch erfolgen kann.Was ist eine Gesundheitskarte? Ist das mit der Krankenversichertenkarte zu vergleichen, die ich selber habe? Zu welchen Ärzten können die Flüchtlinge eigentlich gehen? Und wie sieht es auch jetzt aus – was heißt in diesem Zusammenhang „unbürokratisch“?
  3. Flüchtlinge in Turnhallen unterzubringen, ist kein Zustand. Das Land sollte den Kommunen mehr Geld für bessere Unterkünfte zur Verfügung stellen.
    Ja! Die Flüchtlinge sollen selbstverständlich menschenwürdig untergebracht werden, aber zeigen sich alle Kommunen denn auch hilfsbereit genug? Wie viel Geld wollen denn die Kommunen und gibt es überhaupt einen Plan für die „besseren Unterkünfte“? Welche „bessere Unterkünfte“ sind drunter zu verstehen – Wohnheime? Häuser? Messehallen? Und wie ändert sich damit die Situation auf dem Wohnungsmarkt?
  4. Flüchtlinge sollen zum Lebensunterhalt Sachleistungen statt Geld bekommen.
    Unterschwellig sagt mein Verstand ja! Mehr Sachleistungen statt raus geworfenes Steuergeld für Alkohol und Markenkla… Stopp. Was? Was spricht denn dagegen, dass Flüchtlinge beides bekommen? Und was bekommen Flüchtlinge denn eigentlich in Deutschland, falls überhaupt?
  5. Flüchtlinge, die im Land bleiben wollen, müssen einen Integrationsführerschein machen.
    Damit sie unsere Frauen nicht angrabschen! Stop. Schon wieder falsch. Was beinhaltet denn der Integrationsführerschein? Sprachkurs? Kochkurs? Gemeinschaftskunde? Müssen die PEGIDA-Mitläufer auch einen Integrationsführerschein machen, wenn sie im Land bleiben wollen?
  6. Die Grundschulempfehlung soll wieder verbindlich werden.
    Was in aller Welt ist eine Grundschulempfehlung? Warum soll das wieder eingeführt werden? Sind die Kinder jetzt überfordert? Unterfordert? Sind die Schulen überfordert? Unterfordert?
  7. Es soll mehr Ganztagsschulen in Baden-Württemberg geben.
    Wie viele Ganztagsschulen gibt es denn? Sind es nicht genug für alle interessierten Eltern/Kindern? Welche Konzepte hat denn das Land für die Umsetzung und wie lief es bislang?
  8. Das Land braucht keine weiteren Gemeinschaftsschulen.
    Was hat sich denn seit der Einführung der Gemeinschaftsschulen im Land verändert? Wie viel Gemeinschaftsschulen gibt es im Baden-Württemberg überhaupt? Haben denn alle Schüler einen Platz? Sind alle Schüler zufrieden? Gibt es mehr Schulen, die sich für die Gemeinschaftsschule interessieren oder sind alle so glücklich wie es ist. Woher soll ich das wissen?
  9. Das neunjährige Gymnasium muss wieder die Regel werden.
    Wie empfinden es die Schüler? Wurde der Lernplan an das achtjährige Gymnasium angepasst? Wie kommen diese Schüler später im Studium/Ausbildung zurecht?
  10. An staatlichen Schulen soll mehr islamischer Religionsunterricht angeboten werden.
    Gibt es denn Bedarf? Wie viele Schüler wären denn davon betroffen an dem islamischen Religionsunterricht teilnehmen zu dürfen? Haben wir überhaupt kompetente Lehrer, die im Lage dazu wären? Und wäre es nicht sinnvoll den Umgang mit Islam als solchen in den Lernplan integrieren um der Rechts-Problematik in Deutschland ausnahmsweise clever entgegen zu wirken.
  11. Auf öffentlichen Plätzen in Baden-Württemberg soll es mehr Videoüberwachung geben.
    Wie viel Videoüberwachung haben wir denn in Baden-Württemberg? Gibt es statistische Daten ob die Videoüberwachung zu irgendwas gebracht hat – weniger Straftaten, falls überhaupt? Hätte mehr Videoüberwachung etwas dazu beitragen können die Belästigungen in der Silvesternacht besser aufklären zu können?
  12. Die Kennzeichnungspflicht für Polizisten ist richtig und soll kommen.
    Wie genau sollen die Polizisten gekennzeichnet werden? Gilt diese für alle Arten des Einsatzes? Welche Ausnahmen hätte diese? Welche Länder haben bereits eine Kennezeichnungspflicht und wie hat sich der Umgang mit der Polizeigewalt seit dem verändert, falls überhaupt?
  13. Der Einsatz von Polizeikräften bei Großereignissen wie Fußballspielen soll nicht länger kostenlos für die Veranstalter sein.
    Wer kommt denn auf solche Idee? Die armen Steuerzahler? Schließlich ist es doch nicht nur im Sinne des Vereins, dass es zu keinen Ausschreitungen kommt, sondern auch im Sinne jedes einzelnen Stadionbesucher, dass man zur Not beschützt wird. Dafür zahle ich gerne Steuern.
  14. Künftige Generationen dürfen nicht noch stärker belastet werden. Die Landesregierung muss darauf achten, dass die Haushalte stets ausgeglichen sind.
    Jetzt wirds ganz kryptisch. Generationen wovon? Menschen? Haushalte oder der Landesregierung? Und womit genau werden sie jetzt belastet? Und wie sollen die Haushalte ausgeglichen werden? Klingt irgendwie nach einem Horoskop.
  15. Umsichtige Etatpolitik bedeutet auch, dass Stellen wo immer möglich abgebaut werden; das gilt vor allem auch für Lehrer, Polizei und die Finanzverwaltung.
    Was ist Etatpolitik? Ich dachte stets es gäbe nicht genug Lehrer und nun wäre es wohl umsichtig die Stellen abzubauen. Irgendwas ist mir schon wieder entgangen..
  16. Dienstleistungen des Landes sollen verstärkt privatisiert werden; das schafft Arbeitsplätze und spart Steuergeld.
    Welche bekannte Dienstleistungen sind eigentlich privatisiert und welche gehören dem Land? Und welche Auswirkung hat eine Privatisierung auf die Arbeitsplätze? Wie sieht das eigentlich in anderen Bundesländern aus?
  17. Es ist wichtiger, sich um den Erhalt von Straßen zu kümmern, als ständig neue Straßen zu bauen.
    Unermüdet werden neue Straßen gebaucht um mehr Verbindungen zwischen Städten und somit mehr Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzeugen. Echt grausam sowas. Stattdessen reissen wir lieber Straßen ab und bauen sie noch mal. Oder ist etwas anderes gemeint?
  18. Es müssen mehr Radwege geschaffen und gefördert werden.
    Das ist wohl die einzige These, die ich als Radfahrer ohne viel nachzudenken mit JA anklicken kann. Wobei mich auch da interessieren würde was für Projekte, falls es denn überhaupt welche gibt, diesbezüglich denn überhaupt geplant sind.
  19. Das Land soll sich darum kümmern, dass auf Autobahnen Tempo 120 eingeführt wird.
    Warum eigentlich? Gibt es statistische Daten zur erhöhten Zahl der Unfälle bei dem Tempo über 120km/h? Gibt es mehr Feinstaubalarm in der Region? Und wie war es nun überhaupt mit dem Feinstaubalarm – nun doch nicht so schlimm?
  20. Es wird zu viel Aufhebens um die Versorgung mit Breitbandanschlüssen gemacht. Wer schnelles Internet haben will, soll selbst investieren.
    In einen neuen Anbieter? Und gleich in die Baustelle unter dem Haus um die entsprechende Kabeln zu verlegen?
  21. Der soziale Wohnungsbau ist in den letzten Jahren zu kurz gekommen. Das Land soll ein Förderprogramm auflegen.Was genau ist eigentlich der soziale Wohnungsbau und wen betrifft es? Und hat dies eigentlich etwas mit den Flüchtlingen zu tun, welche ja auch „bessere Unterkunft“ als Turnhalle brauchen?
  22. Die Mietpreisbremse ist zu lasch und muss nachgebessert werden.
    Was ist eigentlich eine Mietpreisbremse?
  23. Zu viele leer stehende Wohnungen werden nicht vermietet. Das Land soll auf die Kommunen einwirken, dass sie stärker durchgreifen.
    Warum gibt es eigentlich leer stehende Wohnungen? Wem gehören diese Wohnungen? Und stehen sie eigentlich tatsächlich „leer“? Wer zahlt dafür? Und wie sollen die Kommunen durchgreifen? Wohnungen beschlagnahmen?
  24. Der Mindestlohn ist zu niedrig und müsste auf zehn Euro in der Stunde erhöht werden.
    Wie geht es eigentlich den ganzen kleinen Unternehmen, die nicht mal in der Lage waren den heutigen Mindestlohn zu zahlen? Wer außer den Konzernen wäre noch in der Lage 10 Euro pro Stunde zu zahlen? Und ändert sich eigentlich auch etwas an den Preisen für Waren oder Dienstleistungen?
  25. Der Mindestlohn soll abgeschafft werden, er sorgt für einen zu großen bürokratischen Aufwand in den Unternehmen.
    In wie fern ist es der große bürokratische Aufwand, wenn in den Papieren eine höhere Ziffer steht?
  26. Das Land soll garantieren, dass jeder Jugendliche eine Berufsausbildung machen kann.
    ??? Jeder Jugendliche kann eine Berufsausbildung machen, wenn er dies denn auch viel und sich nicht wie der letzte Trottel anstellt. Falls dies zutrifft, dann ist schon auf der anderen Instanz was schief gelaufen wie Schule und/oder die Familie. Oder ist mir wieder was entgangen?
  27. Das Betreuungsgeld für Familien, die ihre Kinder zu Hause betreuen, muss auf Landesebene eingeführt werden.
    Was ist eigentlich Betreuungsgeld? Haben wir es überhaupt? Und falls ja, warum muss es jetzt eingeführt werden? Oder kümmert sich jede Stadt einzeln drum, weil es vielleicht die Kosten für alles von Stadt zu Stadt unterschiedlich sind?
  28. Das Land sollte ein Förderprogramm auflegen, damit sich mehr junge Ärzte mit einer Praxis auf dem flachen Land niederlassen wollen
    Ja, dabei sollte das „flache Land“ idealerweise auch allgemein attraktiver gestaltet werden, nicht nur für die jungen Ärzte.
  29. Wer in der Pflege arbeitet, trägt eine hohe Verantwortung. Darum sollen die dort tätigen Menschen eine akademische Ausbildung haben.
    Weil akademische Ausbildung gleich Verantwortung bedeutet?
  30. Der Bettenabbau an den Krankenhäusern muss beendet werden, auch kleinere Häuser haben ein Recht auf eine Überlebenschance
    Klingt irgendwie nach „auch kleine Möbelhäuser neben IKEA haben eine Überlebenschance“. Check ich nicht.
  31. Das Land ist beim Ausbau der Windenergie viel zu zögerlich. Das muss schneller gehen. Notfalls müssen die Standards gesenkt werden.
    Was für ein Blödsinn ist das denn. NEIN
  32. Um die energetische Sanierung voranzubringen, sollte sich das Land verpflichten, jedes Jahr einen bestimmten Prozentsatz seiner eigenen Liegenschaften zu modernisieren.
    Solange es sich tatsächlich um nicht mehr effiziente Liegenschaften handelt und man nicht einfach nur Sachen abreist und für viel Geld neu baut um irgendwelchen Prozenten zu genügen.
  33. Zwei Biosphärengebiete im Land sind zu wenig. Das Land soll darauf hinwirken, dass weitere Gebiete entstehen.
    Was zur Hölle sind Biosphärengebiete?
  34. Tierversuche sind widerwärtig. Das Land sollte sie konsequent verbieten.
    Wie sehr ich auch gegen Tierquälerei bin, aber sind Labormäuse nicht auch Tiere? Die Wissenschaftler würden sich sicherlich freuen.
  35. Die Zwei-Meter-Regel zur Nutzung von Waldwegen ist ein alter Hut. Sie muss weg.
    Was ist denn eine Zwei-Meter-Regel?
  36. In der Kulturpolitik hat die Hochkultur Vorrang vor der Förderung der zahllosen Initiativen für die Subkultur.
    Was beinhaltet Hochkultur? Was beinhaltet Subkultur? Und warum soll jetzt das eine vorm anderen Vorrang haben?
  37. Moscheen gehören genau wie Kirchen ins Stadtgebiet.
    Ja.

Wahlcheck der Stuttgarter Zeitung rät mir bei der Landtagswahl in Badenwürttemberg BüSo zu wählen.
Ich wähle dann mal BüSo. NICHT!


Pfui. Das ist kompliziert. Letztendlich habe ich mehr Fragen als ich davor hatte und bräuchte eine Menge Recherchezeit um diese zu beantworten. Dafür müsste ich aber erst Mal Zeit haben um mich zu informieren, denn jetzt weiß ich wirklich nicht welche Partei ich wählen soll. Abhilfte war der nett gemeinte Wahlhcheck also keinesfalls. Und nein, liebe Stuttgarter Zeitung, BüSo oder die Linke wird es mit Sicherheit nicht!

Ich stelle fest, dass trotz meines Interesses an der Politik ich nicht so richtig Ahnung habe was die Parteien in meiner Region eigentlich machen wollen und leider fühle ich mich darüber auch nicht ausreichend informiert um eigene Meinung darüber bilden zu können – vor allem nicht warum manche Entscheidungen auch mich betreffen sollen (Zwei-Meter-Regel… what?). Und so ist auch mir momentan die Lust vergangen bei der Landtagswahl wählen zu gehen…

ARD-DeutschlandTREND

Was ist eigentlich der ARD-DeutschlandTREND?

Zahlen sind verwirrend, Statistik versteht kein Mensch – das dachte ich auch mal. Nun erkläre ich euch die Studie hinter dem DeutschlandTREND damit ihr wisst wer wie welche Daten erfasst und wer überhaupt teilgenommen hat. Die Ergebnisse der Studie spielen dabei in diesem Blogeintrag keinerlei Rolle.

Der ARD-DeutschlandTREND ist eine Umfrage und wird seit 1997 monatlich für ARD durchgeführt. An dieser Stelle entführe ich euch auf einen kleinen Exkurs in die empirische Soziologie: Grundsätzlich gibt es nur zwei Arten der empirischen Studien: Querschnittstudien und Längsschnittstudien. Die beiden unterscheiden sich nur darin wie oft die Erhebung der Daten (z.B. eine Umfrage) durchgeführt wird.

Empirische Studie in a nutshell:

Bei einer Querschnittstudie werden während einer fest gelegten Zeitspanne (z.B. 01.- 02.02.2016) ein Mal die Daten erhoben. So wird den Studienteilnehmer zum Beispiel die Frage gestellt: „Wenn am nächsten Sonntag tatsächlich Bundestagswahl wäre, welche der folgenden Parteien würden Sie dann wählen?“. Zu beachten ist in diesem Fall nur, dass die Studienteilnehmer repräsentativ auserwählt werden, d.h. die Studienteilnehmer wurden rein zufällig ausgewählt und sind auch tatsächlich wahlberechtig: sie sind volljährig, seit mindestens drei Monaten in Deutschland.

Eine Längsschnittstudie ist dagegen eine Umfrage, welche mehrere Male durchgeführt wird. Wenn wir also die gleiche Frage in regelmäßigen Abständen einer zufällig ausgewählter Gruppe von Probanden wieder stellen, lassen sich daraus Trends ablesen. Welch Wunder, dass das entsprechende Studiendesign „Trendstudie“ heißt und das Vorgehen dem einen oder dem anderen von euch als „Sonntagsfrage“ bereits bekannt sein dürfte. Die Studienteilnehmer für eine wiederholte Erhebung werden wieder rein zufällig aus all den Wahlberechtigten in Deutschland auserwählt. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass man die ein und die selber Person mehrmals befragt – doch selbst dies wäre kein Problem für die Repräsentation der Studie solang die Auswahl tatsächlich zufällig erfolgte.

ARD-DeutschlandTREND vom Februar 2016:

Nun schauen wir uns das Forschungsdesign des DeutschlandTRENDs am Beispiel der Erhebung vom Februar 2016 genauer an. Die Umfrage wurde am 01. und 02. Februar 2016 durchgeführt; Es wurden insgesamt 1 004 Teilnehmer befragt. Die Teilnehmer wurden telefonisch kontaktiert, das Verfahren nennt sich auch „Computergestützte Telefoninterviews“ oder kurz: CATI (Computer Assisted Telephone Interview). Dabei werden die Fragen der Studie und deren Reihenfolge von dem PC vorgegeben und der Interviewer trägt lediglich die Antworten ein, die er am Telefon erhält. Da aber nicht jede Nummer in dem Telefonbuch gelistet ist, wird die so genannte Zufallstelefonbefragung angewandt: RDD (Random Digit Dialing). Dabei werden dem Computer die ersten Ziffern vorgegeben (Landeswahl, Ortswahl, etc.), den Rest fügt er nach dem Zufallsprinzip selbst hinzu. Man macht sich außerdem Gedanken darüber wer an anderem Ende ans Telefon geht – dies ist in vielen Fällen gar nicht zufällig, es geht meist das „Haupt der Familie“ ran. Um dem entgegen zu wirken besteht ebenfalls die Möglichkeit zu bitten, dass z.B. der/diejenige den Hörer übernimmt, der/die als letzter Geburtstag hatte. Das Institut infratest-dimap, welches die Studie des DeutschlandTRENDS  durchführt, schreibt dazu:

Um systematische Verzerrungen der Untersuchungsergebisse auszuschließen, akzeptieren wir bei Festnetzstichproben nicht gleich die sich meldende Person als Gesprächspartner, sondern fragen nach der Person, die der Computer per Zufallsprinzip ausgewählt hat. […] häufig ist der von uns gewünschte Gesprächspartner beim ersten Anruf nicht zu Hause, so dass wir einen Termin vereinbaren und noch einmal anrufen müssen.

Hinzu kommt ebenfalls, dass rund 10% deutscher Haushälte nur über ein Handy aber kein Festnetztelefon verfügen. Man geht ebenfalls davon aus, dass man die 20- bis 29-jährigen eher über das Mobiltelefon als ein Festnetztelefon erreicht. Um eine repräsentative Stichprobe der ganzen wahlberechtigten Bevölkerung zu erzielen, haben bei dem DeutschlandTREND 70% aller Anrufe ein Festnetztelefon gesucht und 30% klingelten auf dem Handy.

Das wars schon zu der geheimen Welt der Statistik. Ich hoffe der Ausflug war für euch nicht nur befremdlich sondern auch ein bisschen spannend und ihr habt ein aussagekräftigeres Bild darüber wie solche Umfragen überhaupt gemacht werden. Natürlich ist das ganze nur die Spitze des Eisberg – die Daten werden auf alle möglichen und unmöglichen Art und Weisen kontrolliert und ausgewertet. Für den ersten Überblick ist dies aber nur wenig relevant.

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